Georges Aperghis LUNA PARK

by BrigittaOnnaKristina on 1. August 2015

LUNA PARK – ein Musiktheater über Überwachung und Kontrolle

Georges_Aperghis_Luna_ParkEs ist schier unmöglich, in dieser Welt unsichtbar zu sein, sich vor anderen, geschweige denn vor sich selbst verstecken zu können. Das Musiktheater Luna Park des griechischen, seit 1963 in Paris lebenden Komponisten Georges Aperghis ist ein verstörendes wie faszinierendes Zeugnis eines Realitäts-Virtualitäts-Kontinuums, in dem eine Kommunikation nur noch über digitale Medien ermöglicht wird. Das Ermöglichen bedeutet in Aperghis Musiktheater jedoch nicht Gelingen, sondern eine ständige Feedbackschleife von audiovisuellen Ich-Projektionen.

Vier Türme, ausgestattet mit Live-Kameras, Projektionsflächen und Mikrofonen, bilden jeweils einen Aufenthaltsraum der vier Protagonisten, gefangen in einem Kommunikationsloch. Das Ich der Protagonisten spiegelt sich in den Live-Kameras und den Mikrophonen, das Ich kann sehen und hören, wird aber nicht gesehen und gehört. Wie lebt es sich in einer Gesellschaft, die einseitige Kommunikation kultiviert? Wieviel Beachtung und wieviel Achtung benötigen wir um zu existieren und an welchem Punkt verlieren wir die Kontrolle? Georges Aperghis komponierte Luna Park in Zusammenarbeit mit dem IRCAM-Centre Pompidou.

Musik und Produktion Georges Aperghis | Set und Lichtinstallation Daniel Lévy | Texte Georges Aperghis & François Regnault | IRCAM Computer Music Design Grégory Beller | Artistic Production Collaborator Émilie Morin | Video Development Yann Philippe | Performer Richard Dubelski, Eva Furrer, Johanne Saunier, Michael Schmid

Der Musikwissenschaftler, Journalist und Dramaturg Patrick Hahn schildert seine Assoziationen zum Bühnenbild und Geschehen:
Wie weit man von sich zurücktreten muss, um sich selbst zu erkennen, ist seit einiger Zeit kein Geheimnis mehr: Das Ich ist genau eine Armlänge entfernt, das Selfie ist der Selbstvergewisserungsmodus des Smartphonesklaven. Vom Selbstporträt unterscheidet es sich eben dadurch, dass die Möglichkeiten zur Realisierung – und damit zur Inszenierung – des Porträts im Maße des Körpers begrenzt sind: Man kann nur so weit zurücktreten, wie die Armlänge reicht und den Winkel so wählen, wie es die Hand gerade noch erlaubt, den Auslöser zu betätigen. Der Selfie-Modus ist blind, es sei denn, man wählt die Kamera auf der Bedienoberfläche, die weitere Verzerrungen garantiert. Narziss hat sich auf der Wasseroberfläche auch nicht anders gesehen.

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