Maximilian Marcoll PERSONAL DATA

by BrigittaOnnaKristina on 14. September 2014

Personal Data – im Takt der Sprache

Maximilian Marcoll Personal DataDer derzeit in Berlin lebende Komponist Maximilian Marcoll hat mit der Datengeschichte in seiner Performance Personal Data reinen Tisch gemacht. Transparenz wird hier wörtlich genommen. Sie wird einem sogar aufgedrängt, wenn eine Gruppe von Musikern in Reih und Glied aufgestellt mit ausdrucksloser Miene ihre persönlichen Daten bis hin zu Facebook-Passwörtern und BIC-Codes in einem notierten Rhythmus dem Publikum mitteilen. Die Uraufführung von personal data durch das Ensemble Garage im Stadtgarten Köln und eine zweite Aufführung, die ich mit Studierenden der Universidad Catholica in Santiago de Chile realisierte brachten ähnliche Reaktionen. Beide Aufführungen fanden im Rahmen eines Konzertes für Neue Musik statt. Die Leute finden es erst einmal lustig, man hört hier und da ein Kichern, wenn der Name, die vollständige Adresse, Konfessionszugehörigkeit, Geburtsort und Geburtsdatum in einem der normalen Sprachgeschwindigkeit ähnlichen Rhythmus zum Besten gegeben werden.

Doch in den letzten 30 Sekunden der nur knapp zweieinhalb Minuten andauernden Performance wird es stiller – wenn die Social-Media Benutzernamen und Passwörter inklusive der Bankdaten der jeweiligen Musiker verkündet werden. Da alle gleichzeitig und in dem gleichen Rhythmus sprechen verschleiert diese Masse an Resonanzen natürlich die Worte des Einzelnen. Aber wenn man sich anstrengt und genauer hinhört, stellt man fest, dass jeder eine andere Tonlage hat, die man mit dem Ohr filtern kann, dass einer vielleicht lauter, extrovertierter spricht als die anderen, dass man Männer- und Frauenstimmen voneinander unterscheiden und zuordnen kann.

Man arbeitet mit dem Ohr wie Google, wie Facebook, wie What’s App – man nimmt, was man kriegen kann und wenn man wollte, könnte man im gleichen Moment den jeweiligen Account knacken, deren Stimme sich im eigenen Filtersystem herauskristallisiert hat – und für welche Bedürfnisse auch immer nutzen.

Hier könnt Ihr Euch die Partitur des Komponisten anschauen, downloaden und das Stück mit Freunden selbst einstudieren – in letzterem Falle solltet ihr Max Bescheid geben, es lebe das Urheberrecht!

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