POST PRIVACY | ARTIST’s VIEW

POST-PRIVACY.de

Dieser Blog befasst sich mit der Debatte um POST PRIVACY und PUBLIC PRIVACY aus der künstlerischen Sicht. Und da wir ja immer erst einmal von uns selbst ausgehen ist Schwerpunkt und Anlass dieses Blogs meine Arbeit, die PUBLIC PRIVACY Reihe und das daraus entstandene PUBLIC PRIVACY #CITY Projekt – und noch weitere, die folgen werden.

Als Dokumentationsplattform für das PUBLIC PRIVACY #CITY Experiment sammelt der Blog Informationen und Status Quo Meldungen über den Verlauf des Projektes und setzt diese in Beziehung zu Aktionen anderer Künstler aus dem Bereich Musik & Social Composing, Performance und Installation zum Themenfeld des Öffentlichen und des Privaten. Wenn Ihr meint, dass Euer Projekt zu dem Themenfeld passt, nehmt Kontakt zu mir auf, das Kontaktformular findet Ihr im gleichnamigen Menü!

POST PRIVACY

post-privacy3Ich möchte hier keine Definition des Begriffes POST PRIVACY vollziehen, da er sich Jetzt, Heute,  jeden Tag entwickelt. Wir können die Masse an unseren Daten, an ihren zukünftigen Bedeutungen, an den instabilen Prozessen, welchen sie unterliegen und welche unser Bewusstsein und das unserer Gesellschaft verändern werden, heute noch nicht überblicken. Dort existiert irgendeine abgehalfterte Floskel über informelle Selbstbestimmung. Hier bekommen wir Informationen darüber, dass Kreditunternehmen unsere Facebookprofile durchstöbern können, Facebook unsere Daten verkauft und zu Hause am Rechner stellen wir fest, dass wir am Ende des Tages Cookies von 82 Websites im Cache haben. Von da drüben hören wir den Hall einer Meldung darüber, dass in den USA eine Firma für Schwangerschaftsartikel über die Schwangerschaft einer 16jährigen Amerikanerin früher Bescheid wusste, als die Familie – der Überbringer der Botschaft war ein Werbebrief für Schwangerschaftsartikel der Firma, die dem Mädchen zuvor gekommen war. Es gibt unzählige Beispiele dafür, wie unsere Daten auf unser Leben in der Realität zurückwirken. Das Denken, dass etwas dort bleibt, wo es platziert wird gehört der Vergangenheitheit an, heute bestimmen Netzwerkstrukturen den Alltag und sorgen für nichtlineare Rückkopplungseffekte.

Hierbei wird deutlich – das Internet und die reale Welt sind nicht (mehr) zwei verschiedene Realitäten, es ist eine gemischte Realität oder mixed reality, in der sich unsere Daten schon jetzt nicht mehr kontrollieren lassen. Wir müssen und fragen, ob das Gesetz als eine – auf das menschliche Verhalten bezogene – regulierede Rechtsnorm in dieser Debatte noch aktuell ist und sollte dies der Fall sein wird es schwer werden, zu unterscheiden an welcher Stelle das Gesetz hilft und an welcher Stelle es verhindert. Meistens ist beides gleichzeitig der Fall. Und das auszuhandeln gelingt letztlich nur mit einer Resonanz der Gesellschaft.

Der Blogger Patrick Breitenbach sagte einmal in Bezug auf das ewige Vorhandensein unerwünschter persönlicher Bilder im Netz: „Das Internet sollte nicht lernen zu vergessen, wir sollten lernen zu verzeihen.“

Wenn wir also akzeptieren, dass sämtliche Daten von uns frei zugänglich sind und dies als Normalität begreifen, könnten wir als Gesellschaft dann toleranter werden? Würden wir dann unser Sehnsüchte und Ängste nicht weiterhin bei Google-Suchanfragen platzieren, sondern würden die Hemmschwelle in die reale Welt leichter überwinden? Oder wäre das letztlich ein Zugeständnis an die ganzheitliche Kontrollierbarkeit des Individuums – ein Zustand, den wir bei totalitären Regimen wiederfinden und der von solchen auch wieder missbraucht werden könnte. Diese und viele andere Fragen in Hinblick auf die Public Privacy und auf die Post Privacy Debatte möchte in Form künstlerischer Arbeiten stellen – und die Arbeit anderer Künstler vorstellen, die dies auf vielfältige Weise ebenfalls tun.