PUBLIC PRIVACY #CITY

DIE IDEE

Von dem, was die anderen nicht von mir wissen, lebe ich [1] .
Peter Handke

PUBLIC PRIVACY #CITY ist eine Serie von künstlerischen Aktionen im öffentlichen Raum, die sich inhaltlich mit dem Verhältnis von realer zu virtueller Öffentlichkeit und von realer zu virtueller Privatsphäre auseinandersetzt. Die Aktionen stellen die Frage nach einer Ethik für Daten, nach einer Ethik für das vage Recht auf informelle Selbstbestimmung und sie stellen die Frage nach den Chancen und Gefahren, die sich im derzeitigen Post Privacy Prozess abzeichnen.

bamberg

Mein Name ist Brigitta Muntendorf, ich bin Komponistin und Performern und derzeit Stipendiatin in der Villa Concordia in Bamberg. Die Idee für PUBLIC PRIVACY #CITY ist im Zuge meiner musikalischen Reihe PUBLIC PRIVACY für Soloinstrument, Video und Zuspielung entstanden. Die Reihe hat in mir das Bedürfnis geweckt, an der Thematik des Öffentlichen und des Privaten nicht nur aus musikalischer, sondern aus einer noch weiter umfassenderen künstlerischen Perspektive zu arbeiten und ein größeres Publikum zu erreichen – die Öffentlichkeit. So entstanden eine Reihe von künstlerischen Plakaten, die eine Sensibilisierung für die Thematik als Ziel haben und im Zuge dessen auch meine anderen Performances und Installationen. Innerhalb der Plakatserie und Aktionen werden drei mit der PUBLIC PRIVACY-Debatte zusammenhängende Themenfelder erörtert, die sich auf unsere Präsenz, auf unsere Daten und auf unsere Bedürfnisse im Realitäts-Virtualitäts-Kontinuum[2] beziehen.

PUBLIC PRIVACY #CITY in  ist eine Serie von künstlerischen Aktionen, die sich inhaltlich mit dem Verhältnis von realer zu virtueller Öffentlichkeit und von realer zu virtueller Privatsphäre auseinandersetzen. Künstlerische Arbeiten in Form einer Plakataktion, Installationen und Performances der Komponistin und Initiatorin Brigitta Munten-dorf bilden den Ausgangspunkt für PUBLIC PRIVACY #CITY.
Ebenso wie Posts in Social Media geteilt, kommentiert und verbreitet werden, öffnet die Künstlerin das Projekt für andere Künstler, die sich mit Performances, Installationen, verschieden-en Vortragsformen und Objekten in der Öffentlichkeit zu dem Thema PUBLIC PRIVACY und POST PRIVACY verhalten. Die Aktion stellt die Frage nach einer Ethik für Daten, nach einer Ethik für das vage Recht auf informelle Selbstbestimmung und es stellt die Frage nach den Chancen und Gefahren, die sich im der-zeitigen Post Privacy Prozess abzeichnen.

ARTISTIC SHARING

Ebenso, wie sich von uns zur Verfügung gestellte Informationen im Web durch Share-, Re-tweet- und Kommentar-Buttons verselbständigen und die Abfallprodukte unserer Handlungen in Form von Datentracking und Datenspeicherung ein Eigenleben beginnen, habe ich auch PUBLIC PRIVACY #CITY der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und setze das Projekt den Mechanismen des Sharings aus. Inzwischen haben sich 10 weitere Künstler in PUBLIC PRIVACY #CITY eingeklinkt und teilen, antworten, intervenieren, schließen sich zusammen und kommentieren in Form von Performances, Installationen und unterschiedlichsten Ausdrucksformen.

Ich bringe mich als Künstlerin in die Situation des Kontrollverlustes. Der Verlauf der Aktion ist nicht einschätzbar, ebenso wie die komplexen nicht-linearen Rückkopplungseffekte zwischen Realität und Virtualität nur noch Wahrscheinlichkeiten und keine absoluten Werte zulassen.

Wenn am 23.10.2014 in Bamberg die Aktionen für einen Tag das Tagesgeschäft einfärben, dann findet gerade das Pilotprojekt von PUBLIC PRIVACY #CITY statt. Ich plane, das Projekt in verschiedenen Städten in Deutschland zu wiederholen – und da ich in Bamberg innerhalb kurzer Zeit 10 Künstler gewonnen habe, sollen es auch 10 Städte werden, wobei jede der 10 Arbeiten einen Ausgangspunkt für eine der neuen Städte bildet. Denn auch wenn sich alle Arbeiten mit der POST PRIVACY Debatte beschäftigen, legt doch jedes Projekt durch die Ausdrucksform und die Wahl der inhaltlichen Schnittstelle einen unterschiedlichen Focus, wie ein Zoom auf eine bestimmte Stelle des Themenbildes. Zudem sollen in jeder Stadt 10 neue Künstler hinzukommen, d.h. wenn das Projekt zum 10. Mal stattfindet, werden 100 Künstler beteiligt sein!

BAMBERG CITY SHARING

Am Donnerstag, den 23.10.2014 fand das Pilotprojekt PUBLIC PRIVACY #CITY in der Bamberger Innenstadt statt.

FINANCIAL SHARING

Das Pilotprojekt finanziere ich aus eigener Tasche. Ich habe im Mai 2014 den Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung erhalten und führe mit dem Projekt einen Teil des Geldes über Kunst und Musik der Gesellschaft zurück und zwar in einer Form, in der ich mich selbst künstlerisch weiterentwickeln und ein Netzwerk zwischen verschiedenen Künstlern aufbauen kann. In meiner Rede zur Preisverleihung habe ich darauf hingewiesen, dass die Neue Musik ihre Strukturen verändern muss, um in einer Gesellschaft wirken zu können und als Künstler oder Künstlerin eine Verantwortung hat, die meiner Meinung nach über die eigenen Belange hinausgehen sollte. Das kann in musikalischen wie auch außermusikalischen Setups gelingen und beides möchte ich nun in PUBLIC PRIVACY #CITY zusammenführen und in einer offenen Form für Künstler und Rezipienten zugänglich machen.

Aber da ich mich auch nicht finanziell ruinieren möchte, setzt PUBLIC PRIVACY #CITY sehr stark auf Kooperationen. Auf Menschen, die mithelfen und unterstützen und davon gibt es sehr, sehr viele – wir bedanke uns bei allen, die uns geholfen haben, das Projekt zu realisieren.

THE ARTIST GROUP

Hier sind die Hauptakteure von Public Privacy #City aufgelistet:








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PUBLIC PRIVACY #CITY TOUR

Hier findet ihr die Tour, die anlässlich Public Privacy #City in Bamberg stattfand.

Fußnoten

  1. [1] Peter Handke: Am Felsenfeuer morgens, Salzburg 1998, S. 336.
  2. [2] Paul Milgram, H. Takemura, A. Utsumi und F. Kishino: Augmented Reality: A class of displays on the reality-virtuality continuum, in: ATR Communication Systems Research Laboratories (Hrsg.): Telemanipulator and Telepresence Technologies, Kyoto 1994, S. 282-292, hier S. 282.