Wendy Richmond Public Privacy

by BrigittaOnnaKristina on 6. September 2014

wendy-richmondDie Künstlerin Wendy Richmond untersucht in ihrer Arbeit verschiedene Phänomene des Öffentlichen und des Privaten. Sie setzt sich darüber hinaus mit Fragestellungen zur Verwendung von Technologien auseinander und verbindet diese beiden Themenfelder in einigen Arbeiten.

In ihrem Projekt Public Privacy (2005-2007) filmte sie über längere Zeit mit ihrem Handy über 1600 Menschen in der Öffentlichkeit – auf der Straße, in der U-Bahn, auf dem Weg zur Arbeit oder im Museum. Sie hat die Menschen dafür nicht um Erlaubnis gefragt und begründet dies damit, dass wir in der Öffentlichkeit jeden Tag von Hunderten von Kameras aufgenommen werden, wobei niemand wirklich verfolgen kann, was mit diesen Aufnahmen geschieht und wie lange sie gespeichert  werden.

Wendy Richmond hat zu verschiedenen Orten kurze Videoinstallationen in einer Dauer von ca. eineinhalb Minuten erstellt, die ohne Ton Split Screens von Menschen zeigen, die sich unbeobachtet fühlen.

Gedanken zur Arbeit von Wendy Richmond

wendy-richmond2Natürlich verhalten wir uns in der Öffentlichkeit anders, als zu Hause im Privaten. Wir wissen, dass wir beobachtet werden, wir wissen, dass Menschen uns beobachten, uns mustern, uns vergleichen. Wir wissen sogar, dass überall Kameras installiert sind, die die Öffentlichkeit überwachen und somit auch uns. Doch wenn wir uns in Menschenmassen bewegen, fühlen wir uns anonym, nivelliert von den vielen Menschen um uns herum, die uns selbst unscheinbar machen. Durch eine Dokumentation, in der eine Kamera uns fokussiert oder in der wir alleine vor der Kamera stehen, löst sich die Anonymität auf und der einzelne Mensch steht plötzlich im Zentrum. Es entsteht eine 1:1 Situation, eine Situation, die privater gar nicht sein kann.

In der Mehrzahl der Arbeiten von Wendy Richmond passiert genau das – eine öffentliche Situation schlägt in eine private durch die Beobachtung eines Einzelnen um. Das ist eine gelungene künstlerische Transformation, die beim Anschauen der Videos erfahrbar wird und somit genau das erreicht, was Kunst zu erreichen versucht.  Das funktioniert für mich allerdings nicht in allen Videos, nämlich folglich nicht in denen, die viele Menschen an einem öffentlichen Ort gleichzeitig zeigen. Hier bleibt die Anonymität, in der wir uns in der Außenwelt wähnen auch beim Anschauen erhalten und die künstlerische Arbeit bleibt in einem Status der Dokumentation. Dennoch – eine tolle Idee, die zum Nachdenken anregt!

Website und Videos von Wendy Richmond

Interaktive Installation OVERHEARD von Wendy Richmond

 

 

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